Die Causa Timoschenko

6. Mai 2012
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So spielt das Leben der 51jährigen Julia Timoschenko: Von der westlichen Presse als Hoffnungsträgerin für die Ukraine hochstilisiert, und schlussendlich im Gefängnis gelandet. Die Hintergründe für ihre Verhaftung sind vielschichtig. So wird ihr (und einigen ehemaligen Regierungsmitgliedern) vorgeworfen, sie hätte bei einem Gasdeal mit Russland einen Vertrag ausgehandelt, welcher der Ukraine einen Schaden von 137 Millionen Euro brachte, beim Handel mit CO2-Rechten die Gelder zweckentfremdet und Rettungswagen zu überhöhten Preisen gekauft. Weiters wird gegen sie wegen Veruntreuung von 295 Millionen Euro aus ihrer Zeit als Chefin des Energiekonzerns EESU, sowie einigen Aufrtragsmorden ermittelt.

Doch anstatt diese schwerwiegenden Anklagen in Haft zu ertragen, stilisiert sie sich unter großem medialen Interesse der westlichen Presse zu einer Jeanne d'Arc hoch, welche sie in Wirklichkeit gar nicht ist. Denn zu sehr ist die ukrainische Wirtschaft vom Nachbarn Russland abhängig, und zu schlecht ist die Anbindung des rohstoffreichen Landes an das westliche Europa, als dass eine "orangene Revolution" samt Abkopplungsversuch von Russland wirklich von Erfolg gekrönt gewesen wäre.

Die "Gasprinzessin" ist nämlich gar keine "Unschuld vom Lande", wie sie sich gerne darstellt. Denn ihr Reichtum stammt aus äußerst dubiosen Quellen, während sie eine enge Vertraute des mittlerweile in den USA inhaftierten Ex-Premiers Lazarenko war. Und das wird heute gerne verschwiegen.

Hätten diese Anschuldigungen einen Politiker in Westeuropa betroffen, würde die Presse einen Hetzartikel nach dem anderen schreiben. Doch nur weil sich Timoschenko stets dem Westen angebiedert hatte, während die momentane ukrainische Staatsführung nach einem Ausgleich hinsichtlich der Beziehungen zu Russland und zur EU anstrebt und nicht als "prowestlich" gilt, dürfte die mediale Hetzjagd gegen die ukrainische Regierung auch von den westlichen Regierungen mit Wohlwollen betrachtet werden. Dazu passen auch die Boykottaufrufe gegen die in wenigen Wochen beginnende Fußball-Europameisterschaft, welche in Polen und der Ukraine stattfindet.

Schlußendlich kann wohl gesagt werden, dass sich in der Ukraine keine der beteiligten Parteien an diesen Prozessen die Hände in Unschuld waschen kann. Denn so wie es aussieht, haben da wohl alle Proponenten irgendwelchen Dreck am Stecken. Und während Timoschenko sicher nicht so unschuldig ist, wie sie sich gerne gibt, so übt die derzeitige ukrainische Staatsführung sicher auch gewissen Druck auf die Justiz aus, um die verhasste Oppositionspolitikerin aus der Politik zu drängen. Vielleicht wäre es doch einfach mal angebracht, dass die westliche Medienwelt und die westliche Politik ihre rosaroten Brillen hinsichtlich ihres verklärten Blickes auf Julia Timoschenko abziehen.

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